1. Bestmögliche Versorgung sichern

 

  1. Die Forschung zugunsten einer Vermeidung und Heilung von Diabetes in Deutschland mehr fördern!
  2. Früherkennung ausbauen – Untersuchung auf Diabetes bei Personen mit hohem Diabetesrisiko!
  3. Der Patient steht im Mittelpunkt! Lebensqualität erhalten durch Beratung, Schulung, Empowerment sowie angemessene Honorierung der „sprechenden Medizin“!
  4. Diabetologische Versorgung und Versorgungsforschung ausbauen, um Ressourcen effektiver einzusetzen!
  5. Qualifikation der Diabetesberufe stärken: Facharzt „Innere Medizin und Diabetologie“, staatliche Anerkennung Diabetesberater/in in allen Bundesländern!
  6. Erstattung von Leistungen nur für qualitätsgesicherte Behandlung!
  7. Erstattung von Glucose-Mess-Systemen (CGM), wenn ärztlich empfohlen! 

 
 


 

Die Forderungen im Detail

 

1. Die Forschung zugunsten einer Vermeidung und Heilung von Diabetes in Deutschland mehr fördern!
 
Wie genetische und Umweltfaktoren zusammen wirken, damit eine Inselzell-Autoimmunität in der Bauchspeicheldrüse ausgelöst wird, die Typ-1-Diabetes verursacht, ist noch weitgehend unbekannt. Die Erforschung dieser Frage kann auch Antworten liefern, wie die bislang unheilbare Krankheit Diabetes geheilt werden könnte.
 
Gemessen an der Häufigkeit des Diabetes und im Vergleich mit anderen Bereichen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologischen Erkrankungen und Krebserkrankungen ist auch die Forschung zur Vermeidung und Heilung des Diabetes mellitus Typ 2 unterfinanziert. In Langzeitstudien, die erforschen, wie viele Menschen im Verlauf eines mehrjährigen Beobachtungszeitraumes erkranken, ist Diabetes Typ 2 die häufigste Diagnose. Personen mit einem hohen Risiko für Diabetes Typ 2 haben ein ca. 5-fach erhöhtes Risiko, an einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt sowie ein doppelt erhöhtes Risiko, an einer Krebserkrankung zu versterben. Die Vermeidung einer Diabeteserkrankung wäre also sogar eine sehr wirksame, lebensverlängernde Maßnahme!
 
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert, mehr Geld in die Erforschung zur Vermeidung und Heilung von Diabetes Typ 1 und Typ 2 zu investieren.

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2. Früherkennung ausbauen – Untersuchung auf Diabetes bei Personen mit hohem Diabetesrisiko!

 
In Deutschland wird der Diabetes Typ 2 viel zu spät diagnostiziert – im Schnitt vergehen 8-10 Jahre! Verlorene Jahre für die Vermeidung von Folgeerkrankungen. Zu oft wird die Diagnose erst im Krankenhaus gestellt – wenn der Patient bereits wegen Folgeerkrankungen eingewiesen wird. Dabei gibt es bekannte Frühwarnzeichen und Risikofaktoren, die in der Summe die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch der Erkrankung anzeigen, z.B. familiäre Vorbelastung, zu wenig Bewegung, ungünstiges Essverhalten, Stress, ansteigendes/ hohes Körpergewicht, insbesondere schweres Übergewicht in der Rumpfmitte, Bluthochdruck, zu hohe Blutfettwerte, Metabolisches Syndrom, Rauchen.
 
Personen mit einem hohen Diabetes-Risiko sollten vom Haus- oder Betriebsarzt auch gezielt auf diese Krankheit untersucht werden. Der Gesundheits-Check ab 35 Jahren, den die Krankenkassen ihren Versicherten alle zwei Jahre anbieten, reicht hierzu aber nicht aus. Im Check-up identifizierte Risikopatienten benötigen eine spezifische Diagnostik (HbA1c, Blutfettwerte, Risikofragebogen) und die Stoffwechselsituation sollte halbjährlich nachkontrolliert werden. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert daher, Hochrisiko-Personen spezifisch auf Diabetes zu untersuchen, in qualitätsgesicherte Präventions­angebote zu vermitteln und die flächendeckende Bereitstellung entsprechender Angebote zu fördern.

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3. Der Patient steht im Mittelpunkt! Lebensqualität erhalten durch Beratung, Schulung, Empowerment erfordert angemessene Honorierung der „sprechenden Medizin“!
 
Patienten mit Diabetes müssen die Therapie tagtäglich eigenverantwortlich umsetzen. Hierzu benötigen sie qualitätsgesicherte Informationen und eine angemessene Unterstützung. Rund zwei Drittel der Patienten sind in das Disease-Management-Programm Diabetes mellitus Typ 2 eingeschrieben und werden so strukturiert und sektoren­übergreifend nach evidenzbasierten Kenntnissen versorgt. Rund 30 % erhalten jedoch keine Schulungen, sie benötigen vermutlich eine spezielle Ansprache. Die Teilnahme an Schulungen sollte weiter ausgebaut werden und alle Patienten sollten Zugang zu allen notwendigen Schulungen haben.
 
Da Patienten mit Diabetes eine reduzierte Lebensqualität aufweisen, sollten vermehrt Hilfen für Patienten mit krankheitsspezifischen Problemen angeboten werden. Für diese besonders zeit- und ressourcenaufwendige Betreuung werden besondere Abrechnungsziffern für Gesprächsleistungen benötigt, unterteilt nach Diabetes-Typ und -Problematik. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert eine bundesweit einheitliche Vergütung und die Aufnahme der Diabetologie in den EBM (= Einheitlicher BewertungsMaßstab, Abrechnungsgrundlage für vertragsärztliche Leistungen); außerdem sollte die Teamarbeit in der Vergütung zwingend berücksichtigt werden.
 
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert außerdem die Einrichtung eines unabhängigen Diabetes-Informations-Zentrums, das qualitätsgesicherte Beratungsangebote und evidenzbasierte Informationen für Patienten bereitstellt.

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4. Diabetologische Versorgung und Versorgungsforschung ausbauen, um Ressourcen effektiver einzusetzen!
 
Die Behandler des Diabetes arbeiten nicht ausreichend Hand in Hand; Finanzmittel könnten effektiver zum Nutzen der Patienten eingesetzt werden. Notwendig ist eine neuartige und wirkliche Integrationsversorgung, die alle Ebenen – Hausarzt, Diabetes-Schwerpunktpraxis, Krankenhaus, Reha, Pflege, … – einbezieht: eine sektorenübergreifende Versorgung. Dazu müssen Behandlungsziele, Kooperations- und Informationspflichten, qualitätsorientierte Behandlungspfade und der Übergang vom einen zum anderen Behandler klar vereinbart werden. So wird auch der Zugang zum Spezialisten eindeutig definiert und garantiert. Das Ziel ist eine leitliniengerechte Langzeitbehandlung über alle Ebenen. In Krankenhäusern muss eine qualitätsorientierte Grundversorgung für Menschen mit Diabetes sichergestellt werden und es werden mehr diabetologische Facheinrichtungen für die Hauptdiagnose Diabetes benötigt.
 
Im Disease-Management-Programm (DMP) Diabetes mellitus fehlen ebenfalls verbindliche Schnittstellen zwischen Behandlern. Die bisherigen Ergebnisse müssen bundesweit ausgewertet und das DMP muss zum Wohl der Patienten weiterentwickelt werden. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert deshalb, dass 1 Promille der Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen für Medikamente in Versorgungsforschung und -evaluation investiert werden sollte!

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5. Qualifikation der Diabetesberufe stärken: Facharzt „Innere Medizin und Diabetologie“, staatliche Anerkennung Diabetesberater/in in allen Bundesländern!
 
Diabetologie ist viel mehr als die Überwachung einzelner Blutparameter. Das medizinische Teilgebiet Endokrinologie / Diabetologie wird heute der komplexen Erkrankung Diabetes nicht mehr gerecht – zudem gibt es immer weniger endokrinologische Ausbildungsstätten und immer mehr Menschen mit Diabetes. Deshalb fordert diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe die Einrichtung des „Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie“. Derzeit gibt es nur eine ärztliche Zusatzweiterbildung Diabetologie, die den Landesärztekammern obliegt. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert hier als ersten Schritt eine bundesweite Vereinheitlichung der Curricula durch die Bundesärztekammer, die sich an der Ausbildung zum Diabetologen DDG orientiert.
 
Zudem gibt es in Deutschland zu wenig Lehrstühle für Diabetologie. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert die Etablierung einer Professorenstelle für Diabetologie an jeder deutschen Universität, die das Studium der Humanmedizin anbietet. Zwei bis drei Doppelstunden Diabetologie im gesamten sechsjährigen Medizinstudium reichen nicht aus! diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert, die Stundenzahl in der universitären Ausbildung massiv aufzustocken und durch Workshops, Praktika etc. zu ergänzen. Ein angehender Diabetologe sollte zudem wenigstens zwei Jahre in einer Schwerpunkt­abteilung tätig sein. Zudem fordert diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, dass die Anerkennung als Diabetologische Schwerpunktpraxis bei allen Kassenärztlichen Vereinigungen nach gleichem Qualitätsstandard erfolgen sollte.
 
Die Diabetes-Behandlung ist Team-Arbeit! Denn die epidemiologische Ausbreitung des Diabetes und die Behandlung der betroffenen Patienten erfordern engagierte und qualifizierte Mitarbeiter aller Professionen. Das gilt für jeden Kompetenzbereich in der Diabetes-Versorgung. So gehört ein/e Diabetesberater/in gemäß den Empfehlungen der Leitlinien zur Behandlung des Diabetes seit Jahrzehnten in jedes qualifizierte Behandlerteam. Im zunehmenden Wettbewerb um kluge Köpfe können diese Fachkräfte nur gewonnen werden, wenn ihre Arbeit auch institutionell anerkannt und geschätzt wird.
 
Das Land Rheinland-Pfalz hat diese Wertschätzung im Jahr 2008 zum Ausdruck gebracht. Dort wurde die Weiterbildung zum/zur Diabetesberater/in als Weiterbildung eines Gesundheitsfachberufes staatlich anerkannt. Mit diesem Schritt hat Rheinland-Pfalz neue Qualitätsmaßstäbe gesetzt und das Berufsbild dieser wichtigen Berufsgruppe nachhaltig gestärkt. Deshalb sollte die Weiterbildung zum/zur Diabetes-Berater/in DDG in allen Bundesländern staatlich anerkannt werden. Diese vom Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) formulierte Initiative unterstreicht die große Bedeutung, die das Behandlerteam in der medizinischen Versorgung von Menschen mit Diabetes einnimmt. Der besondere Wert der Weiterbildung wurde im Jahr 2011 durch die Auszeichnung mit dem Weiterbildungs-Innovationspreis des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) noch einmal deutlich unterstrichen. Künftige Lasten und der drohende Fachkräftemangel können nur abgefedert werden, wenn die strukturellen Rahmenbedingungen stimmen. Dabei ist die staatliche Anerkennung der Weiterbildung zum/zur Diabetesberater/in ­ein wichtiger Mosaikstein in der Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen.

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6. Erstattung von Leistungen nur für qualitätsgesicherte Behandlung!
 
Egal, ob beim Hausarzt, Diabetologen oder im Krankenhaus – die Behandlung des Diabetes sollte immer qualitätsgesichert erfolgen, um den bestmöglichen Behandlungserfolg zu erzielen. Ärzte, die auf Qualität Wert legen, sorgen für ein Qualitätsmanagementsystem in ihrer Praxis oder ihrem Haus. Dazu gehören die richtige Ausstattung, gut ausgebildetes Personal, eine elektronische Dokumentation von Patientendaten, eine Orientierung der Behandlung an wissenschaftlich fundierten Empfehlungen (Leitlinien) und regelmäßige Weiterbildung. Ist eine Praxis oder ein Krankenhaus durch eine wissenschaftliche Fachgesellschaft zertifiziert, können Patienten beste Qualität erwarten. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert, dass Krankenkassen Leistungen künftig nur noch für qualitätsgesicherte Behandlungen erstatten sollten – nur so wird sich Qualität langfristig durchsetzen.

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7. Erstattung von Glucose-Mess-Systemen (CGM), wenn ärztlich empfohlen!
 
Systeme zur kontinuierlichen Glucosemessung (CGM) können im Einzelfall mehr Sicherheit und Lebensqualität bieten. Von der CGM profitieren Typ-1-Diabetiker, besonders Kinder unter acht Jahren, Patienten mit schweren Unterzuckerungen und schlechter Blutzucker­stoffwechsellage sowie Betroffene, die berufsbedingt nicht regelmäßig Blutzucker messen können und/oder durch Unterzuckerungen gefährdet sind, z.B. Lastkraftwagenfahrer, Seeleute, Dachdecker oder Menschen, die in Reinräumen arbeiten.
 
Bei der CGM wird durch einen Sensor im Unterhautfettgewebe rund um die Uhr im Fünf-Minuten-Takt der Glucosegehalt der Gewebeflüssigkeit überwacht. Anwender schätzen besonders, dass ein kleines Display am Körper nicht nur regelmäßig die Werte, sondern auch einen Trend zeigt, ob der Gewebezuckerspiegel sich nach unten oder nach oben bewegt. Das ermöglicht vorausschauendes Reagieren beim Spritzen von Insulin. So können die lebensgefährlichen Unterzuckerungen besser vermieden werden.
 
Die kürzlich beschlossene Einordnung der CGM als neue Untersuchungs- und Behandlungs­methode (NUB) zieht ein langjähriges Prüfverfahren nach sich, währenddessen die Bewilligung durch Krankenkassen erschwert ist. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe appelliert an den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Erprobungsregel nach §§ 137e und 137c SGB V auf die CGM anzuwenden, um zwischenzeitliche Bewilligungen durch Krankenkassen zu ermöglichen.

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