3. Selbsthilfe stärken

    

  1. Stimmrecht für Patienten im G-BA!
  2. Kassen-Boni für Betroffene, die in der Selbsthilfe aktiv sind!
  3. Stärkere Einbindung der Selbsthilfe im Gesundheitswesen als bürgerschaftliches Engagement!
  4. Für Kinder mit Typ-1-Diabetes so früh wie möglich Selbstmanagement durch Sportangebote und Freizeiten fördern!

 
 


 
 
 Die Forderungen im Details
 

1. Stimmrecht für Patienten im G-BA!
 
Patientenvertreter sind „Papiertiger“ im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem „kleinen Gesetzgeber“. Sie haben das Recht angehört zu werden und „mitzuberaten“, aber wenn es hart auf hart kommt, dürfen sie nicht mitentscheiden. Der G-BA entscheidet über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung, also darüber, welche Leistungen Krankenkassen erstatten und welche nicht und was sie kosten dürfen.
 
Aktuelles Beispiel: Am 22. Februar 2013 wurde entschieden, dass der Wirkstoff Linagliptin (Markenname: Trajenta) angeblich keinen Zusatznutzen haben soll, deshalb dürfen Medikamente mit diesem Wirkstoff zukünftig nicht mehr kosten als eine herkömmliche Vergleichstherapie. Das aber macht Herstellung und Vertrieb für den Anbieter so unattraktiv, dass er bereits angekündigt hat, dieses Medikament nicht für den deutschen Markt bereitzustellen. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe befürchtet, dass dieser G-BA-Entscheid wegweisend ist und bald die ganze Substanzklasse der DPP4-Hemmer zwar dem europäischen Ausland, aber Patienten in Deutschland überhaupt nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Dies betrifft schätzungsweise bis zu 880 000 Menschen mit Diabetes in Deutschland, die diese Medikamente erhalten und keinerlei Einfluss auf diese Entscheidung haben!
 
Das neue Patientenrechtegesetz „ermöglicht Arzt-Patienten-Gespräche auf Augenhöhe und stärkt die Rechte der Versicherten gegenüber den Leistungserbringern“, betonte Bundes­gesundheitsminister Bahr im Januar 2013. Was aber nützt ein neues Patientenrechtegesetz, das dem Patienten die Mitbestimmung im G-BA weiterhin verweigert? diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert deshalb: Mitbestimmungsrecht im G-BA muss Patientenrecht werden!

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2. Kassen-Boni für Betroffene, die in der Selbsthilfe aktiv sind!
 
Der Diabetes erfordert für ein gutes Therapieergebnis die aktive Mitarbeit von Patienten. Chronisch kranke Menschen, die sich einer Selbsthilfeorganisation anschließen oder in eine Selbsthilfegruppe vor Ort gehen, erzielen nachweislich bessere Therapieergebnisse. Und: wer in der Selbsthilfe aktiv ist, hilft nicht nur sich, sondern auch anderen. Damit hilft er auch, Kosten im Gesundheitswesen einzusparen. Engagement für sich und andere sollte belohnt werden! diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe appelliert an die Krankenkassen, die Übernahme von Eigenverantwortung zu honorieren und Kassen-Boni für Betroffene zu gewähren, die in der Selbsthilfe aktiv sind. Denkbar wären auch Gutscheine für Fitness-Studios, Entspannungskurse und ähnliches.

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3. Stärkere Einbindung der Selbsthilfe im Gesundheitswesen als bürgerschaftliches Engagement!
 
Leider werden Beratungsgespräche weder beim Arzt noch in der Apotheke honoriert. Dementsprechend werden solche Gespräche häufig sehr kurz gehalten. Das hat besonders bei Diabetikern, die einen großen Beratungsbedarf haben, oft negative Folgen für die Krankheitsbewältigung im Alltag. Insbesondere bei Neuerkrankungen ist der Erstberatungs­bedarf sehr groß. Ehrenamtliche Mitarbeiter stehen den Hilfesuchenden mit ihrem Erfahrungswissen kostenlos fast rund um die Uhr zur Verfügung. Durch persönlichen Austausch tragen Menschen in der Selbsthilfe so nicht unerheblich zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen bei. Diese Arbeit wirkt sich auch positiv auf die Lebensqualität und Krankheitsbewältigung der unterstützenden Betroffenen selbst aus.
 
Engagement in der Selbsthilfe ist auch bürgerschaftliches Engagement, das Anerkennung und Unterstützung verdient! diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert deshalb, dass Selbsthilfegruppen und -verbände auch öffentlich stärker als kompetente Ansprechpartner für Hilfesuchende anerkannt werden. Politik und Leistungserbringer in der Versorgung von Menschen mit Diabetes sollten die Gesundheitsselbsthilfe mehr wertschätzen und sich öffentlich dazu bekennen. Nur dann ist zu erwarten, dass sich noch mehr Betroffene zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit bereit erklären und/oder Mitglied in einem Interessenverband werden.

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4. Für Kinder mit Typ-1-Diabetes so früh wie möglich Selbstmanagement durch Sportangebote und Freizeiten fördern!
 
Was für andere Kinder selbstverständlich ist – Auspowern beim Sport, Klassenfahrten, Übernachtungen bei Freunden – wird für Kinder mit Typ-1-Diabetes schnell zum Grund für Überbehütung und soziale Ausgrenzung: Eltern, Lehrer und Erzieher sind besorgt und fürchten bedrohliche Stoffwechselentgleisungen, wie Unterzuckerungen. Unkenntnis über das Verhalten im Ernstfall und versicherungsrechtliche Fragen stehen im Raum. Dabei kann regelmäßiger Sport ein Leben lang Folgekrankheiten des Diabetes verzögern helfen.
 
Kinder mit Diabetes Typ 1 müssen genauso wie erwachsene Menschen mit Diabetes nach dem Prinzip der Inklusion das volle Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe ungeachtet ihrer persönlichen Unterstützungsbedürfnisse haben. Größtmögliche Normalität im Alltag gelingt am besten, wenn Kinder so früh wie möglich lernen, ihre Krankheit selbst zu managen – auch und gerade bei körperlicher Aktivität. Schulischer und sozialer Benachteiligung bei Kindern muss genauso entgegengewirkt werden wie beruflicher und sozialer Benachteiligungen bei erwachsenen Diabetespatienten. Bei Freizeitaktivitäten soziale Teilhabe und größtmögliche Normalität zu erleben, macht Kinder stark und fördert soziale Bindungen und soziale Unterstützung, die wiederum helfen, die Krankheit anzunehmen und aktiv zu bewältigen.
 
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe plädiert daher an die Krankenkassen, stärker mit der Selbsthilfe zu kooperieren und Sportangebote und Freizeiten für Kinder mit Typ-1-Diabetes gezielt und so früh wie möglich zu fördern. Hierfür sowie zur Aufklärung und Information von Lehrern und Erziehern und auch zur praktischen Anleitung in Notfallsituationen sollten qualifizierte Diabetesberater und Diabetologen und auch weitere Fachkräfte eingesetzt werden, die sich mit Unterzuckerungen auskennen. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert zudem, aktiv gegen Benachteiligungen jedweder Art von Patienten mit Diabetes jedweden Alters vorzugehen.

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